wirbellose tiere

In den Sälen 22, 23 und 24 bringen wir Ihnen die erstaunlich formen- und artenreiche Welt der wirbellosen Tiere näher: Einzeller, Schwämme, Hohltiere, unterschiedlichste "Würmer", Schnecken, Muscheln, Tintenfische, Stachelhäuter und Gliederfüßer sind wesentliche Bestandteile diverser Lebensräume auf unserem Planeten.
 
Seit der Gründung des Museums vor 250 Jahren haben Mitarbeiter weltweit gesammelt und geforscht. Die wissenschaftlichen Sammlungen sind ein Kulturgut von internationaler Bedeutung – jedes einzelne Objekt birgt eine Unzahl von Informationen, deren Verfügbarkeit mit der Entwicklung neuer Forschungsmethoden ständig vermehrt wird. Nur ein sehr kleiner Teil der umfangreichen wissenschaftlichen Sammlungen ist ausgestellt und soll den Besucherinnen und Besuchern einen Einblick in die Formenvielfalt der Tiere und ihrer Lebensräume vermitteln.

 

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saal 22 – einzeller, schwämme, hohltiere, stachelhäuter und würmer


Vielfalt wirbelloser Tiere
Es sind zahlreiche Tiere, hauptsächlich aus marinen Lebensräumen, ausgestellt. Das große Diorama im Zentrum des Saals (Vitrine 39) ist nicht nur der Vielfalt der Steinkorallen gewidmet, sondern auch den Forschungsreisenden, die die faszinierenden Objekte gesammelt und ins NHM gebracht haben. Quallen und Polypen sind teilweise anhand historischer Glasmodelle präsentiert (11–18), die Stachelhäuter-Vitrinen informieren über die Lebensweise sowie über die Stammesgeschichte von Seesternen, Seeigeln & Co (68–76). Fensterseitig sind eindrucksvolle Becherschwämme und Tischkorallen ausgestellt.
 
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In den Wandvitrinen (3–10) thematisieren wir freilebende Einzeller und ihre Lebensräume. Filme und Modelle aus hausinterner Produktion veranschaulichen die mikroskopisch kleinen Tierchen in ihrer bizarren Vielfalt.
 
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Parasitische Einzeller und Würmer – Neue Vitrinen (77–92)
Parasitische Lebensweise zählt zu den frühesten „Erfindungen“ in der Evolution des Lebens: Schon die ersten Einzeller wurden vermutlich von anderen Einzellern bewohnt. Wo immer eine Lebensform entstanden ist, hat sich ein kleines Universum für Mitbewohner aufgetan. Parasiten sind – vereinfacht ausgedrückt – jene Organismen, die in, auf und von anderen leben. Das sind beispielsweise die Malaria-Erreger in roten Blutzellen, die Bandwürmer im Dünndarm, aber auch die blutsaugenden Zecken. Alle freilebenden Tiere und Pflanzen beherbergen Parasiten, und auch die Parasiten selbst sind häufig parasitiert. In der Natur sind diese Formen des Zusammenlebens wesentliche Faktoren der Ökosysteme, der Evolution, der Biodiversität. Parasiten machen mehr als die Hälfte aller Arten aus und tragen darüber hinaus als wichtige Selektionsfaktoren zur Artenvielfalt bei, indem sie verhindern, dass dominante Arten überhand nehmen.
 
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Medizinisch werden die Parasiten traditionell aus einem ganz anderen Blickwinkel gesehen. In der Medizin geht es um Schadwirkung, Vorbeugung und Krankheitsbekämpfung. Eine neue Präsentation zeigt parasitische Einzeller und Würmer vor allem mit ihren Auswirkungen auf den Menschen. Diese Präsentation wurde von der Firma Bayer Austria unterstützt. Die meisten der dargestellten Parasiten-Arten werden durch Haustiere oder blutsaugende Insekten übertragen. Krankheiten, die von Tier zu Mensch und von Mensch zu Tier übertragen werden, nennt man Zoonosen. Manche Parasiten – wie der Leberegel – haben sehr komplizierte und faszinierende Lebenszyklen, andere – wie der Fuchsbandwurm – verursachen bedrohliche Krankheitsbilder. Viele Parasiten haben bei ihren Wirten oder Zwischenwirten Verhaltensänderungen zur Folge. So werden Mäuse gegenüber ihren Fressfeinden furchtlos – egal, ob sie mit dem Fuchsbandwurm oder mit Toxoplasmose infiziert sind. Dieses auffällige Verhalten dient ausschließlich der Verbreitung des jeweiligen Parasiten. Der Mensch ist in dem Kreislauf nur ein (unglückliches) Abstellgleis.
 
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In der Natur tragen Parasiten wesentlich zur Bestandsregulierung (etwa der Mäuse) bei. Wir sollten daher – bei aller Vorbeugung, Hygiene und Bekämpfung – nicht vergessen, dass wir ganz ohne Parasiten nicht auskommen würden!
 
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saal 23 – weichtiere (mollusken)


Mit geschätzten 100.000 Arten sind Weichtiere nach den Insekten die artenreichste Tiergruppe. Während Kopffüßer (auch „Tintenfische“ genannt), Kahnfüßer, Käferschnecken und Wurmmollusken ausschließlich im Meer leben, kommen Muscheln auch im Süßwasser vor. Die artenreichste Klasse, die Schnecken, besiedeln außerdem unterschiedliche Lebensräume an Land.
Weichtiere werden vom Menschen nicht nur gerne gegessen, sondern spielten auch eine wirtschaftlich bedeutende Rolle: Im Altertum wurde aus Purpurschnecken ein teurer Farbstoff gewonnen; in manchen Regionen wurden Porzellanschnecken als Zahlungsmittel verwendet. Die Beziehung des Menschen zu den Mollusken wird in einer eigenen Großvitrine thematisiert (34).
 
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Der Reichtum der Mollusken Österreichs – immerhin ca. 400 Arten – wird in den Vitrinen 28 und 29 gezeigt. Die Mollusken des Mittelmeeres werden in den Vitrinen 25–27 vorgestellt. Dioramen mit spezifischen Mollusken-Gesellschaften veranschaulichen Tiefsee- und Flachwasser-Lebensräume (31, 33).
 
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Alle anderen Vitrinen sind der großen Arten- und Formenfülle der Mollusken gewidmet. Besonders eindrucksvoll ist die Riesenmuschel: eine echte, ungewöhnlich große Schale wurde durch einen Weichkörper aus Kunststoff ergänzt, was dem Korallenriff-Bewohner ein äußerst naturalistisches Aussehen verleiht.
 
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Japanische Riesenseespinne
Dieses Objekt ist aus Platzgründen im Molluskensaal untergebracht, nicht wie alle anderen Krebstiere im Saal 24. Die Japanische Riesenkrabbe (Riesenseespinne) Macrocheira kaempferi kommt in Südost-Japan und Taiwan vor, wo sie auf sandig-schlammigen Meeresböden in 50 m bis 600 m Tiefe lebt. Riesenkrabben sind Allesfresser; sie ernähren sich von Meerestieren, Algen, Tangen und Aas. Auf japanischen Märkten werden sie zum Verzehr angeboten. Mit einer Spannweite von bis zu 4 Metern, einer Beinlänge von über 1,5 Metern und einem Gewicht von bis zu 20 Kilogramm sind die Japanischen Riesenkrabben die größten lebenden Krebstiere. Der Intendant des k.k. Naturhistorischen Hofmuseums, Franz Steindachner, erwarb 1882 diese beiden außergewöhnlich großen Exemplare, die aus der Bucht von Tokio stammen. Sie zählen zu den größten Riesenseespinnen, die in Naturmuseen gezeigt werden.
 
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