mineralogie & petrographie

Wer durch die Ausstellungssäle 1 bis 5 wandert, spürt und erkennt hinter der überwältigenden Vielfalt der dargebotenen Mineralien, Erze, Edelsteine, Gesteine und Meteoriten die waltende Ordnung. Generationen von Kuratoren haben versucht, diese Systematik auf Grundlage der geltenden wissenschaftlichen Forschungsergebnisse aufzubauen. Den einzigartigen Ruf, den die Sammlung weltweit genießt, verdankt sie aber nicht nur den historischen Stücken aus der Zeit der österreichisch-ungarischen Monarchie, sondern vor allem, dass bis heute neue Mineral-, Gesteins- und Meteoritenfunde in diese Sammlung integriert werden.

 

Die Mineralogisch-Petrographische Abteilung ist darüber hinaus aber auch eine wissenschaftliche Forschungsstätte, die mit hochtechnischen Geräten zur Bestimmung und Klassifizierung des Mineralreiches beiträgt. Ausgestattet mit einer Elektronenstrahlmikrosonde, einem Rasterelektronenmikroskop, einer Röntgendiffraktionsanalytik und einem Spektrophotometer, können viele der Meteoriten, Gesteine, Mineralien und Edelsteine im Naturhistorischen Museum analysiert und wissenschaftlich dokumentiert werden.

 

Das Staatliche Edelsteininstitut ist Anlaufstelle für Edelstein- und Schmucksteinexpertisen. Der Tätigkeitsbereich des Instituts umfaßt weiters gemmologische Grundlagenforschung und Nachwuchsbildung auf dem Sektor Edelsteinkunde. Neueste Edel- und Schmucksteinmaterialien, sowie die heute sehr zahlreich gewordenen Synthesen und Imitationen werden gesammelt, bestimmt und beschrieben.

 

 

 

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saal 1 - mineralsystematik der elemente und sulfide samt deren verbindungen

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Neugestaltung der Sammlung für Bau-, Dekor- und Ziergesteine im Saal 1


Das NHM besitzt eine der größten Sammlungen von Bau-, Dekor- und Ziergesteinen in Europa. Die Sammlung wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von Felix Karrer begründet und besteht aus Gesteinsproben, die beim Bau berühmter Gebäude und Monumente in Wien und Österreich verwendet wurden. Die Sammlung enthält aber auch  wichtige Bau- und Dekorgesteine verschiedener Länder Europas sowie Material bedeutender antiker Bauwerke und Monumente.
Neben Dekorgesteinen, die für die Innen- und Außendekoration von Gebäuden verwendet wurden, finden sich in diesem baugeschichtlichen Archiv auch Kunstprodukte wie Stuck oder Fliesen. Weiters sind wichtige Baumaterialien wie Ziegel oder Kiese dokumentiert.
 
Von den ca. 35.000 Objekten dieser Sammlung waren bisher rund 500 Gesteinsproben in neun großen Schaukästen ausgestellt. Da die während der letzten 125 Jahre kaum veränderte Präsentation hinsichtlich Wissensvermittlung und  thematischer Aufbereitung den heutigen Ansprüchen nicht mehr genügte, wurde in Zusammenarbeit der Mineralogisch-Petrographischen Abteilung mit Architekt Rudolf Lamprecht eine Neuaufstellung geplant.
 
Entsprechend dem neuen Ausstellungskonzept werden vor allem Proben jener Gesteine gezeigt, die für die Außen- und Innengestaltung von Wiener Gebäuden und Denkmälern Verwendung fanden – unter besonderer Berücksichtigung der Bauten der Wiener Ringstraße. Die Neupräsentation der Sammlung seit 11. März 2015 ist somit ein weiteres Highlight zum 150. Jubiläum des Wiener Prachtboulevards.
Aber auch Gesteinsproben von anderen Bauwerken und Denkmälern aus Österreich und der ganzen Welt sind zu sehen. Für die Neuaufstellung der Sammlung wurden die historischen Ausstellungsvitrinen restauriert und mit moderner LED-Beleuchtung ausgestattet.
In der neuen Präsentation wird besonderes Augenmerk auf didaktisch aufbereitete Informationen wie Texte und Bilder von repräsentativen Bauwerken gelegt.




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"AKTUELLE SONDERSCHAU im Saal 1" (bis auf weiteres)

 Katzengold Vitrinenfront A Schumacher

Katzengold und Silberfisch - Die Namen der Steine

 

Kuratorin: Vera M.F. Hammer

 

Faszinierende und verblüffende Geschichten über die Benennung von Mineralien nach Tieren und Tieren nach Mineralien

 

Diese interdisziplinäre Schau erzählt faszinierende und verblüffende Geschichten über die Namen von Mineralien, die nach Tieren und von Tieren, die nach Mineralien benannt sind. Die Schau führt die Besucher auf eine spannende Entdeckungsreise durch die Namenskunde ins Tier- und Mineralreich und ist ein Muss für alle Tier- und Mineralienliebhaber!

 

Beispiele sind das nach dem Kolkraben benannte schwarze Vanadiummineral Corvusit, der nach der Bachforelle benannte „Forellenstein“, ein Riebeckitgneis aus Niederösterreich, eine an die typisch gepunkteten Starenfedern erinnernde Achatvarietät, die als „Starstein“ beschrieben ist; mit Tierfellen verglichene Handelsbezeichnungen wie Dalmatinerjaspis, Zebrastein, Tigererz und Leopardenjaspis. Des weiteren durch bestimmte Einschlüsse hervorgerufene optische Effekte, die als Katzenauge, Tigerauge und Falkenauge bezeichnet werden. Oder wussten Sie bereits, dass die Bezeichnung Serpentin vom lateinischen Wort serpens für Schlange kommt, oder dass der Kermesit wegen seiner roten Farbe nach der Kermesschildlaus benannt ist? Der Name Skolezit etwa bezieht sich auf das wurmartige Krümmen des Minerals beim Erhitzen vor dem Lötrohr und stammt vom griechischen Wort skolex für Wurm. Ein ähnlicher Effekt führte auch beim Vermiculit zur Namensgebung. Der Name des Minerals leitet sich nämlich vom lateinischen Wort vermiculus für Würmchen ab und spielt auf die Eigenschaft an, sich bei Erhitzen auf etwa 300§C zu wurmförmigen Gebilden aufzublähen. Oft ist es aber auch die typische Farbe, wie beim lachsrosa Attakolit, dessen Name vom griechischen Wort attakos für Lachs stammt. Zu sehen sind unter vielen anderen Objekten natürlich auch Achatschnecken, Diamantklapperschlange und Smaragdeidechse.

 

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Der Saal 1 zeigt große Mineralstufen (in einer Kastenvitrine in der Mitte des Raumes), die Baumaterialiensammlung (Auswahl) und Objekte der Mineralsystematik (fortgeführt in den Sälen 2-5). Historisch interessant sind die original erhaltenen Ofenverkleidungen in den beiden von den Fenstern abgewandten Raumecken (sämtliche Räume des Hauses wurden seinerzeit durch Warmwasser-Öfen beheizt, die entsprechend verkleidet waren; davon sind nur mehr die beiden Ofenverkleidungen im Saal I erhalten geblieben).

Die Gemälde an den Wänden zeigen das Salzbergwerk von Wieliczka (Hugo Charlemont), die Diamantengruben von Kimberley (Othmar Brioschi), den Calvarienberg in der Adelsberger Grotte (Carl Hasch), die Goldgewinnung in der Sierra Nevada in Kalifornien (Wilhelm Bernatzik) und den Bleibergbau von Raibl (Eduard v. Lichtenfels).

Die systematische Mineraliensammlung (Mineralien geordnet nach chemischer Zusammensetzung und Kristallstruktur; in den späten 1960er Jahren nach der international gültigen Systematik von Ramdohr-Strunz und Strunz neu aufgestellt) beginnt mit der ersten Pultvitrine.

Aus der Mineralsystematik (Elemente, Sulfide und verwandte Verbindungen) sind besonders hervorzuheben:

Stücke von gediegen Silber von Joachimsthal (I/2), gediegen Gold von Eule (I/5), Landsbergit von Moschellandsberg (I/8), Sylvanit von Offenbanya (I/17), Tetradymit vom Ankogel (I/18), Argentit von Joachimsthal (I/21 und 22), Hessit von Botes (I/24), Bornit von Froßnitz (I/24), Millerit von Breitenau (I/63), Sternbergit von Joachimsthal (I/63), Galenit von Gonderbach und Neudorf (I/66), Stephanit (I/77), Freieslebenit von Hiendelaencina (I/81), Lorandit von Allchar (I/84) und Hauerit von Kalinka und Raddusa (1/86).

An besonderen Großobjekten sind im Saal I die in der Mittelvitrine ausgestellten Halitstufen von Wieliczka zu erwähnen, die zu den schönsten bekannten Gruppen dieser Mineralart zählen. Ebenfalls in der Mittelvitrine zu sehen ist ein 115 Kilogramm schwerer Rauchquarz von dem berühmten Fund vom Tiefengletscher in der Schweiz aus 1868; er ist einer der schwersten Kristalle dieses Fundes.
Eine Eisenblüte vom Steirischen Erzberg zählt zu den besten Stücken dieses Vorkommens und dieser Mineralvarietät.

 

Eisenblüte 

 

Ein Calcit von Island ("isländischer Doppelspat") ist vermutlich ebenfalls einer der größten, die sich von diesem Fundbereich in musealen Sammlungen erhalten haben.

 

 Doppelspat Island 

 

 

 

 

 

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saal 2 - sulfide, halogenide, oxide, hydroxide, nitrate, jodate und karbonate

Der Saal 2 zeigt die weitere Mineralsystematik (Sulfide, Halogenide, Oxide, Hydroxide, Nitrate, Jodate und Karbonate). An den Wänden finden Sie Gemälde des Goldbergbaues von Verespatak (Rosia Montana) in Siebenbürgen (Wilhelm Bernatzik), des Erzberges bei Eisenerz in der Steiermark (Robert Russ) und des Kohletagebaues bei Dux in Böhmen (Alois Schönn).

Aus der Mineralsystematik sind besonders hervorzuheben:

Sellait von Brumado (II/6), Fluorit von Striegau (II/10) und Gilgit (II/14), Atakamit von Wallaroo (II/16), Chrysoberyll von Takowaja (II/33), Korund von Sri Lanka (II/33), Hämatit vom Gotthard (II/34), Perowskit von Slatoust (II/38), Bergkristall (Japaner-Zwilling) von DauphinÖ (II/46), Rutil von Pfitsch (II/65), Kassiterit von Schlaggenwald und Zinnwald (II/80 und II/66) und Brookit von der Froßnitz (II/83).

In den Seitenvitrinen, welche die Mineralsystematik ergänzen, sind zu erwähnen:

Antimonit von Shikoku (II/102), Nagyagit von Nagyag (II/103), Amethyst von Porkura (II/105), Zepterquarz von North Carolina (II/106), Bergkristalle von Nepal (II/107), Achat von Idar-Oberstein (II/108), Manganit von Ilfeld (II/109), Halit (Haarsalz) von Inowroclaw (II/131), Sylvin von Staßfurt (II/131), Fluorit von Northumberland (II/133), Calcit ("kristallisierter Sandstein") von Fontainbleau (II/135) und Aragonit von Girgenti (II/137).

In zwei Tischvitrinen vor den Fenstern werden aktuelle Neuerwerbungen aus Österreich gezeigt; diese Vitrinen werden je nach Bedarf neu gestaltet.

 

 

 

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saal 3 - karbonate, borate, sulfate, chromate, wolframate, arsenate, phosphate, molybdate und vanadate

Der Saal 3 führt die Mineralsystematik fort (Karbonate, Borate, Sulfate, Chromate, Phosphate, Arsenate und Vanadate). An der Längswand die Gemälde vom Hohen Goldberg in der Rauris (Leopold Munsch), vom berühmten Smaragdvorkommen in der Leckbachrinne im Habachtal (Carl Hasch) und von den Opalgruben von Dubnik (ehemals Czerwenitza) in der Slowakei (Carl Hasch) zu nennen. An den beiden Seitenwänden des Saales ist je ein Gemälde des Springquells von Rank bei Kaschau (A. Obermüller) und des "Olga" genannten Erdöl-Springquells bei Baku im Kaukasus (Wilhelm v. Leopoldski) zu sehen.

Aus der Mineralsystematik sind hervorzuheben:

Magnesit von Oberdorf a.d. Laming/Steiermark (III/2), Dolomit von Werfen (III/7), Azurit von Chessy, Bisbee und Tsumeb (III/24), Bastnäsit von Trimouns (III/27), Leadhillit von Tsumeb (III/27), Phosgenit von Monte Poni (III/28), Jeremejewit vom Soktuj-Gebirge (III/32), Chalkanthit von der Planet Mine (III/53), Devillin von Herrengrund (III/65), Ettringit von der N’Chwaning Mine (III/65), Krokoit von Dundas (III/66), Scheelit vom Habachtal (III/67), Wulfenit von der Red Cloud Mine (III/72), Beryllonit von Paprok (III/72), Wagnerit von Werfen (III/74), Herderit von Virgem da Lapa (III/77), Pyromorphit von Bad Ems (III/88), Mimetesit von Johanngeorgenstadt und Cobar (III/90), HurÖaulith von Tacquaral (III/92), Skorodit von Tsumeb (III/93), Erythrin von Schneeberg (III/94) und Euchroit von Libethen (III/96).

In den Seitenvitrinen sind besonders zu erwähnen:

Baryt von Frizington (III/102), Wulfenit von Mezica (III/103), Krokoit von Beresowsk (III/103), Apatit vom Zillertal (III/107), Mimetesit von Johanngeorgenstadt (III/108), Vivianit von Anoua (III/108), Variscit von Fairfield (III/109), Epidot von der Knappenwand (III/133), Axinit von Bourg d’Oisans (III/134), Adular von St.Gotthard (III/137), Pollucit von Paprok (III/137) und Analcim von Tura/Sibirien (III/138).

 

In einer großen Glasvitrine ist eine spektakuläre Halitstufe des Vorkommens von Wieliczka (Polen) von etwa 1.000 Kilogramm zu sehen, mit Kristallen von bis 30 cm Kantenlänge. Eine kleine Tischvitrine beherbergt eine Prachtstufe Schwefel von Girgenti, Sizilien.

In zwei Tischvitrinen vor den Fenstern werden internationale Neuerwerbungen gezeigt. Auch diese Vitrinen werden immer wieder umgestaltet, so daß hier auf die Angabe spezieller Stücke verzichtet werden muß.

 

 

 

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saal 4 - edelsteinsammlung

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"AKTUELLE THEMENSCHAU im Saal 4 (Vitrinen 186, 187, 188)"

(ab 7. Dezember 2011 bis auf weiteres)

 

Jakob Friedrich van der Nüll (1750 Köln - 1823 Wien)

 

Kuratorin: Vera M.F. Hammer

 

Themenschau Jakob Friedrich van der Nuell small 

 

 

Jakob Friedrich van der Nüll (1750 Köln - 1823 Wien) entstammte einer Kölner Kaufmannsfamilie, die sich um 1781 in Wien ansiedelte. Er wurde zunächst Oberbuchhalter im Bank- und Großhandelshaus Johann von Fries & Co. Später lernte er die Großhändler Philipp und Ignaz von Schwab kennen und wurde 1787 Gesellschafter dieses Familienbetriebes.

 

Das Sammeln von Mineralien war vom 19. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts im Bildungs- und Wirtschaftsbürgertum weit verbreitet. Jakob Friedrich van der Nüll war eine der berühmtesten privaten Sammlerpersönlichkeiten. Er machte sich durch seine phantastischen Kollektionen an literarischen Werken, zeitgenössischer Druckgrafik und Conchylien in der damaligen Wiener Bourgeoisie einen Namen.

 

Seine Mineraliensammlung wurde von Zeitgenossen als die schönste und die bedeutendste im deutschsprachigen Raum gerühmt. Grund dafür sind unter anderem die große Anzahl an Goldstufen, Silber- und Tellurmineralien, sowie eine stattliche Anzahl an Diamanten.

 

Im Jahr 1827 wurden aus der Verlassenschaft Van der Nüll's insgesamt 5.065 Mineralien vom k. k. Hof-Mineralienkabinett um 18.000 Gulden angekauft. Eine Vielzahl dieser Mineralien ist auch heute noch in die ständige Schausammlung integriert.

 

Im Lauf der Zeit geriet Jakob Friedrich van der Nüll in Vergessenheit oder wurde oft mit seinem weitaus bekannteren, vermeintlichen Sohn, Eduard van der Nüll (1812-1868), dem Architekten der Wiener Staatsoper, verwechselt.

 

 

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Der Saal 4 zeigt Mineralsystematik (Phosphate, Arsenate und Silikate), Edelsteine und Gesteine. Die Gemälde dieses Saales zeigen größtenteils geologische Phänomene. Neben bzw. zwischen den Gemälden befinden sich Karyatiden, allegorische Figuren, deren Embleme die wichtigsten Metalle und Mineralien repräsentieren. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, daß die Vorlagen einiger der hier dargestellten Mineralien von dem Künstler Rudolf Weyer aus der Mineraliensammlung entnommen wurden (wie z.B. Kassiterit von Schlaggenwald, Gips von Eisleben und Galenit von Neudorf).

Vier Pultvitrinen auf der rechten Seite dieses Saales sind der Mineralsystematik gewidmet; daraus sind an besonderen Objekten zu erwähnen:

Lirokonit von Wheal (IV/2), Phenakit vom Habachtal (IV/5), Axinit von Bourg d’Oisans (IV/5), Epidot von der Knappenwand (IV/15), Astrophyllit von Mont St. Hilaire (IV/23), Serandit von Mont St. Hilaire (IV/27), Turmalin (Achroit) von Elba und Nepal (IV/30), Schörl von Groß Meseritsch (IV/32), Kainosit vom Obersulzbachtal (IV/33), Hiddenit aus dem Alexander County (IV/38), Beryll von Acworth (IV/40), Euklas aus der Rauris (IV/57), Phlogopit von Wakefield (IV/60) und Datolith vom Habachtal (IV/72).

 

Muskovit Brasilien 01 (3) (2)

 

Ein kürzlich erworbener, großer "Sternmuskovit" aus Brasilien.

 

 

An der rechten Schmalseite des Saales (Richtung Maria Theresien-Platz) befinden sich links und rechts vom Fenster Vitrinen, wo auf Knopfdruck farbige Fluoreszenzerscheinungen von Mineralien im UV-Licht beobachtet werden können. In der Saalecke rechts vorne werden einige Gelenkquarzit-Platten (Itakolumite) gezeigt, darunter auch ein Stück aus dem 18. Jahrhundert.

 

 

In den Seitenvitrinen dieses Saales ist die Gesteinssammlung ausgestellt. In einer systematischen Zusammenstellung werden Tiefengesteine (Plutonite), Ergußgesteine (Vulkanite), Umwandlungsgesteine (Metamorphite) und Absatzgesteine (Sedimente) von verschiedenen Vorkommen gezeigt.

 

Rock collection_Saal IV_Vitrine 136

 

 

 

Im gleichen Saal befindet sich die Sammlung von Edel- und Schmucksteinen, die zu einer der vollständigsten und wertvollsten ihrer Art auf dem europäischen Kontinent zählt. In einer Pultvitrine werden die meisten der heute bekannten Schmuckmaterialien in repräsentativen Stücken gezeigt, wobei dem Rohmaterial das Halbfabrikat, der facettierte oder mit Rundschliff versehene Stein, sowie zum Teil auch originaler Schmuck gegenübergestellt werden. In zwei gegenüberliegenden Seitenvitrinen werden größere Formate der Edelsteinsammlung gezeigt.

In den Vitrinen der Edelsteinsammlung sind hervorzuheben:

gediegen Silber von Kongsberg (IV/101), Taaffeit von Sri Lanka (IV/102), Azurit von Tsumeb (IV/107), Brasilianit von der Galilea Mine (IV/107), Türkis von Persien (IV/107), eine Almandin-Schmuckdose von Lölling (IV/110), Smaragd (Trapiche) von Muzo (IV/113), Smaragd aus dem Habachtal (IV/113), Euklas von Miami (IV/124), Brasilianit von Espiritu Santo (IV/123), Kunzit von Urupuca (IV/123), Rhodochrosit von Alma (IV/124), gediegen Silber von Kongsberg (IV/144), Topas von Mursinsk (IV/144) und "Peru" (IV/146).
 

Die wertvollsten und auch historisch bedeutsamsten Objekte der Sammlung sind in Tresorvitrinen untergebracht. An Besonderheiten seien hier erwähnt:

ein Edelopal von Czerwenitza von hervorragendem Farbenspiel, mit 594 Gramm der größte bekannte Edelopal dieses Vorkommens;

 

Edelopal Ungarn



Diamanten verschiedener südafrikanischer Fundorte in Matrix; ein weingelbes, 82,2 Karat schweres, makelloses Diamant-Oktaeder, ebenfalls aus Südafrika

 

Gelbes Diamantoktaeder 

 

sowie geschliffene Diamanten aus Indien, teils gefärbt, von allerbester Qualität; ein 6,2 Kilogramm schweres Platinnugget aus dem Ural; Gold aus Siebenbürgen und ein Goldnugget aus dem Ural; kolumbianische Smaragde, von zum Teil sehr guter bis bester Qualität; ein geschliffener Alexandrit aus dem Ural, im Gewicht von 12,8 Karat, fehlerfrei und mit ausgezeichnetem Farbwandel; eine der größten Turmalingruppen der King Tourmaline Mine, Kalifornien; in Ringe gefaßte Rubine und Saphire von bester Qualität und ein 1,6 Kilogramm schwerer Aquamarin-Kristallstock aus Nepal. Eine große Amethyst-Stufe, mit tief dunkelviolett gefärbten Kristallen aus der Serra do Mar in Brasilien ist ein Geschenk von Isidor Weinberger aus dem Jahre 1904.

 

Ferner enthält eine Tresorvitrine den berühmten, aus 761 Farbsteinen und organischen Substanzen sowie ca. 2.102 Diamanten zusammengesetzten Edelsteinstrauß, den Kaiserin Maria Theresia, Mitregentin in den Habsburgischen Erblanden, ihrem Gemahl Kaiser Franz Stephan geschenkt hatte.

 

Edelsteinstrauß 

 

 

In einer Bodenvitrine vor den Tresorvitrinen kann ein riesiger, 117 Kilogramm schwerer Edeltopas-Kristall bestaunt werden, der im Jahr 1978 in die Sammlung gelangte. Er ist einer der größten Topase aus dem durch den Riesenwuchs seiner Kristalle berühmten Pegmatit der Fazenda do Funil bei Santa Maria do Itabira in Minas Gerais, Brasilien.

 

 

 

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saal 5 - meteoritensaal

Saal 5 beherbergt die größte Meteoritenschau der Welt. Der 2012 vollständig renovierte und modernisierte Saal zeigt heute 1100 Meteorite (darunter 650 verschiedene, mit 300 Fällen und 350 Funden).

 

 

Die Schau wurde durch Medienstationen, interaktiven Hands-On Stationen und Animationen erweitert und präsentiert auch neueste Forschungsergebnisse aus dem Gebiet der wissenschaftlichen Meteoritenkunde.

 

Unter den ausgestellten Meteoriten sind viele sehr alte Fälle oder Funde (siehe Topobjekte). Beim Eintritt von Saal 4 trifft man auf die Kastenvitrine mit großen und besonderen Stein- und Steineisen-Meteoriten. Der für lange Zeit größte Steinmeteorit Knyahinya (fast 300 kg) steht in der Mitte dieser Vitrine, daneben finden sich historisch bedeutsame Objekte wie, Tabor, Stannern, Lancé, Mocs, Tieschitz, Florey und Etter.

 

 

In den zentralen Vitrinen des Meteoritensaales zeigen bilderreiche Informationsclips einzelne Themen rund um die allgemeine Meteoritenforschung. In diesen werden Fragen wie beispielsweise "Woher kommen die Meteoriten?", "Wo und wie finde ich Meteoriten?" oder "Woraus bestehen Meteoriten?" beantwortet. Ebenso vermitteln die kurzen Clips Wissenswertes zur Einteilung der Meteoriten, zu ihren Spezifikationen und erzählen Fakten und Daten zur allgemeinen Geschichte der Forschung, sowie zur Besonderheit der Wiener Sammlung.

 

In den völlig neugestalteten Wandvitrinen werden bestimmte Themen anschaulich dargestellt. Diese thematischen Stationen zeigen eine einzigartige Schau von österreichischen Meteoriten (einschließlich dem neuen Ischgl-Meteorit) und fossilen Meteoriten aus Schweden, sowie aktuelle Informationen und fantastische Bilder von Mars und Mond, und außergewöhnliche Mars- und Mond-Meteoriten (einschließlich des größten bekannten Stücks mit kompletter Schmelzkruste des 2011 in Marokko gefallenen Tissint-Marsmeteorits).

 

Weitere Highlights sind ein 83,7 g schweres Basaltgestein vom Mond

 

Lunar rock_cLFerriere_2013-06-17

 

 

und zwei lunare Bodenproben (langfristige Leihgabe der NASA).

 

Lunar soils samples in glass dish_cFerriere

 

 

 

Außerdem werden Meteoritenschauer, Asteroideneinschläge (Impakte) und anderes erklärt.

 

 

Die Einschläge von Asteroiden werden durch realistische 3D-Animationen simuliert, wobei die Besucherinnen und Besucher das Ausmaß einer möglichen Zerstörung Wiens interaktiv über die Hands-On Station „Impakt-Simulator“ steuern können. Das Highlight des wiedereröffneten Meteoritensaals ist das Bildschirm-Triptychon zur „Entstehung des Sonnensystems“. Eine Lupe lädt die BesucherInnen ein, besondere Objekte im Detail zu betrachten und zusätzliche wertvolle Informationen zu verschiedenen Meteoritentypen über Monitore zu erfahren. Die Hands-On Station „Dichte von Meteoriten“ ermöglicht BesucherInnen, mit den eigenen Händen zwei Meteoriten hochzuheben und so unmittelbar den Dichteunterschied zweier gleichgroßer Eisen- und Steineisenmeteoriten zu erfahren.

 

Ein interaktives Quiz fordert das Publikum auf, zu erraten, ob die ausgestellten Meteoriten und Gesteinsmuster tatsächlich aus dem All kommen oder doch von der Erde stammen.

 

 

In den restaurierten historischen Pultvitrinen in der Saalmitte (V/52-115) wird die gesamte Spannbreite der bekannten Meteoriten gezeigt. Sie sind entsprechend ihrer Systematik angeordnet, so dass jeder Besucher einen „Gang durch die Klassifikation der Meteoriten“ beschreiten kann und dabei anhand von Erklärungen mehr über spezifische Beispiele lernen kann. Der Gang beginnt mit den Kohligen Chondriten und setzt fort mit den Gewöhnlichen Chondriten (H -, L -, LL-Chondrite), den Rumuruti Chondriten (R), den Enstatit-Chondriten (EC), den Achondriten, Pallasiten, Mesosideriten, und endet mit den Eisenmeteoriten (geordnet entsprechend ihrer Chemie; basierend auf den Anteilen der Spurenelemente Gallium, Germanium und Iridium).

 

 

Große Eisenmeteorite sind in der Kastenvitrine V/116-121 ausgestellt, darunter auch der „schönste“ Meteorit der Welt, Cabin Creek und Hraschina, das Gründungsobjekt der Meteoritensammlung.

 

In der Ecke links vom Eingang von Saal 4 kommend steht die Planetenmaschine von Johann Georg Neßtfell, erbaut im Auftrag von Maria Theresias in den Jahren 1745-1757.

 

 

An der Längswand gegenüber den Fenstern zeigen Gemälde (von links nach rechts) den vierten Saal des alten Mineraliencabinets in der Hofburg (von Eduard Ameseder), den Meteoritenfall von Knyahinya (von Othmar Brioschi) und den ersten Saal des alten Mineraliencabinets in der Hofburg (von Fahrid Sabha nach einem Aquarell von Eduard Ameseder).

 

 

 

 

 

Wollen Sie mehr über die Meteoritensammlung und über Meteorite allgemein wissen?

 

Brandstätter, F., Ferrière, L. & Köberl, C. (2012): Meteoriten - Zeitzeugen der Entstehung des Sonnensystems / Meteorites - Witnesses of the origin of the solar system. Verlag des Naturhistorischen Museums & Edition Lammerhuber, 270 pp. (bilingual).

 

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