3. zoologische abteilung

Die Dritte Zoologische Abteilung umfasst die Sammlungen der Wirbellosen Tiere mit Ausnahme der Insekten i.w.S. (Hexapoda). Die 5 Sammlungseinheiten sind die Arachnoidea-, Crustacea-, Evertebrata Varia-, Mollusca-, und Myriapoda-Sammlungen, wobei aus historischen Gründen die Mollusca-Sammlung auch die Tunicata und Bryozoa beherbergt und in der Arachnoidea-Sammlung auch die Pentastomiden aufbewahrt werden. Die Evertebrata Varia-Sammlung beherbergt sowohl die „Protozoa“ als auch mehrere Stämme vielzelliger Wirbelloser.

Die zoologischen Sammlungen am Naturhistorischen Museum zählen in fast allen Bereichen zu den international ältesten, größten und bedeutendsten. Unsere Objekte, vor allem Mollusken und Korallen, reichen bis an die Wurzeln der wissenschaftlichen Sammlungen aus dem 18. Jahrhundert zurück. Als herausragende Persönlichkeiten aus dieser Zeit sind der Sammler Jean de Baillou (1684-1758) und der Universalgelehrte Ignaz von Born (1742-1791)  hervorzuheben. Die Sammlungen wurden im 19. Jahrhundert durch Aufsammlungen von Expeditionen, Forschungsreisenden, durch Schenkungen und auch durch Käufe gewaltig vermehrt. Für unsere Abteilung seien hier besonds Johann Natterers (1787-1843) Brasilienexpedition (1817-1835), die Weltumsegelung der Fregatte Novara (1857-1859), die Ausbeuten der Forschungsprojekte in Spitzbergen und in der Arktis, sowie die Aufsammlungen des Forschungsschiffes Pola im Mittelmeer (1890-1894) und im Roten Meer (1895-1898) zu nennen. Herausragende Persönlichkeiten wie die „Wurmdoktoren“ Johann Gottfried Bremser (1767–1827) und Carl Diesing (1800–1867), die Zoologen Georg von Frauenfeld (1807–1873), Rudolf Sturany (1867–1935), Emil von Marenzeller (1845-1918) und der Privatgelehrte Richard von Drasche (1850–1923) haben wesentlich zu diesem Aufschwung beigetragen.

Das Ende der österreichisch-ungarischen Monarchie brachte natürlich auch für das ehemalige k.k. Hofmuseum einschneidende Veränderungen mit sich. Die Zwischenkriegszeit, von der wirtschaftlichen Notlage geprägt, führte zu Geld- und Personalmangel. Der Forschung in der zoologischen Abteilung tat dies aber keinen Abbruch, bedeutende Persönlichkeiten wirkten in den Sammlungen der Wirbellosen. Otto Pesta (1885-1974) etablierte sich als anerkannter Limnologe und Crustaceen-Spezialist, von Hermann Spandl (1899-1926), Assistent in der Crustaceen Sammlung, sind hervorragende Arbeiten publiziert worden. Carl von Attems-Petzenstein (1868-1952) veröffentlichte Standardwerke für alle Tausendfüßer-Spezialisten, Wolfgang Adensamer (1899-1964), Kustos der Mollusken-Sammlung, stellte Untersuchungen an Landschnecken hinsichtlich tiergeographischer und faunenhistorischer Fragestellungen an.

Während des 2. Weltkrieges wurden die Sammlungen in aller Eile und teilweise ungeordnet in Keller des Museumsgebäudes evakuiert, manche Sammlungsräume hatten Bombentreffer abbekommen, das Mobiliar war beschädigt. Einige Kustoden des Museums waren vor und während des Anschlusses an Hitler-Deutschland in heftige politische Intrigen verwickelt gewesen, was nach Kriegsende zu einer teilweisen Personalrochade führte. In langwieriger und mühsamer Tätigkeit mussten die verwahrlosten Sammlungen und Bibliotheken wieder geordnet und zugänglich gemacht werden. Hans Strouhal (1897-1969), Leiter der zoologischen Abteilung und 1952 zum Ersten Direktor des Hauses bestellt, gebührt für seine Leistungen in dieser schweren Zeit besondere Anerkennung und Dankbarkeit. Sein wissenschaftliches Fachgebiet war die Systematik der Landasseln.

In den folgenden Jahrzehnten wurden verschiedene Forschungsschwerpunkte gesetzt. Erich Kritscher (1927-2010) untersuchte neben der Spinnen- und Skorpionfauna der östlichen Mittelmeergebiete die Fischparasiten des Neusiedler-, Mond- und Attersees, Oliver Paget (1922-2011) die Landschnecken der ägäischen Inseln. Erhard Wawra (1945 – 1994) richtete sein Forschungsinteresse auf Schnecken mariner Sandlückensysteme, Gerhard Pretzmann (1929-2013) befasste sich mit Süßwasserkrabben. Jürgen Gruber leitete von 1993 bis 2002 die Arachnoidea-Sammlung. Sein Forschungsschwerpunkt sind die Weberknechte, aber auch die Doppelfüßer. Verena Stagl hatte die Leitung der Myriapodensammlung von 1995 bis 2013 inne und hat durch zahlreiche wissenschaftshistorische Recherchen eine wichtige Grundlage für das Verständnis der Sammlungs- und Wissenschaftsgeschichte und auch der dahinter stehenden Weltanschauungen geschaffen.

Die ursprüngliche Zoologische Abteilung war 1972 aufgrund ihrer Größe administrativ dreigeteilt worden: 1. Zoologische (Wirbeltiere), 2. Zoologische (Insekten) und 3. Zoologische Abteilung (Wirbellose).